Nach der verdienten Niederlage vergangene Woche in Schrießheim und nur einem Sieg aus den letzten drei Partien, ging es für die Buwen um nicht weniger als die letzte Chance im Aufstiegsrennen. Und ausgerechnet in dieser Phase kam mit dem TV Großsachen der Angstgegner in die Herbert-Lucy-Halle. Seit mehr als drei Jahren konnte man gegen das Team von Jens Helm nicht mehr gewinnen. Auch beim Meisterschaftsendspiel in der vergangenen Saison behielt der TVG die Oberhand und im Hinspiel dieser Saison, konnten die Buwe nur einen Punkt mit nach Hause nehmen. Fast schon nebensächlich zu erwähnen, dass der Gast von der Bergstraße mit sieben Minuspunkten auf Platz zwei der Landesliga, und damit einen Rang vor dem SVW, steht.

Dennoch starteten die Buwen geradezu kühl in die Partie. Der Matchplan von Francesco Caria griff dabei von Beginn an zu 100%. Durch eine Abwehrumstellung hin zu einer defensiven 6-0 Formation sollten die Gegenspieler mittels kompakten Verschiebens und Heraustreten aus der Nahwurfzone herausgehalten werden. Stattdessen nahm man bewusst vermehrt Abschlüsse außerhalb von Neun-Meter in Kauf. Auch in der Hoffnung, dass der Rückraum des TVG mit dem ungewohnt ungeharzten Spielgerät nicht die vertraute Wurfqualität abrufen konnte. Darüber hinaus stand hinten drin mit Sven Fischer immerhin auch noch einer der besten Keeper dieser Liga. Besonders von Außen entnervte er die sonst so sicheren Schützen Barrientos und Zschippig völlig. Folgerichtig nahmen die Verantwortlichen beim Stand von 7:3 für den SVW in der 16.Minute die erste Auszeit. Jedoch änderte dies nichts am Spielverlauf.

Denn auch im Angriff agierte der SVW nicht spektakulär, aber effizient. Geduldig ließ man den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Die Großsachsener waren bestens von ihrem Trainer auf die Spielzüge der Heimmannschaft eingestellt worden. Wenn die Defensive der Gäste also nicht bereits den Auftakt unterband, so konnte definitiv die erste Abschlussoption so gut wie nie genutzt werden. Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen suchten die Blauschwarzen in diesen Situationen jedoch nicht die Halbchance, sondern bauten das Positionsspiel, stark dirigiert durch Marc Bloch und Patrick Schäfer, neu auf. Lieber riskierte der SVW das Zeitspiel als einen Turnover. Durch diese neue Qualität konnte die Anzahl an technischen Fehlern minimiert werden. Gleichzeitig erlaubte man dem Gegner keine einfachen Tore.

Die Taktik der Buwen zermürbte zunehmend ihren Kontrahenten. Aufgrund der fehlenden Erfolgserlebnisse gingen dem TVG schlichtweg die Ideen aus. Die Spieler haderten mit sich, dem Gegenüber und den Unparteiischen, während die Waldhöfer durch enormen Einsatz in der Defensive weiterhin ruhig an ihrer Spielweise festhielten.

Verdientermaßen ging es mit einer 13:6 Führung für die Heimmannschaft in einer highlightarmen, aber dennoch anspruchsvollen Partie in die Kabine. Dabei bleibt herauszustellen, dass sechs zugelassene Treffer gegen den Tabellenzweiten der Landesliga, eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung ist.

Auch die Anfangsphase der zweiten Halbzeit lösten die Waldhöfer exzellent. Als bereits nach 22 Sekunden Marc Bloch eine Zeitstrafe erhielt, wäre die Gelegenheit für Großsachsen da gewesen, frühzeitig wieder aufzuschließen. Stattdessen „gewannen“ die Buwen diese Unterzahlsituation sogar 2:1. Richtige Wirkungstreffer für einen verunsicherten Gegner. Übermotiviert produzierte der Gast zahlreiche leichte Fehler, welcher der SVW endlich konsequent bestrafte. Andreas Amend netzte mit seinem verwandelten Siebenmeter in der 36. Minute bereits zum 17:7 ein.

Leider waren danach aber noch 24 Minuten zu gehen. Und was in dieser Zeit passierte, ist eigentlich nicht zu erklären. Sicherlich kann man es als Luxus betrachten, wenn man in so einer Phase drittligaerfahrene Spieler wie Florian Sauer, Michael Schwöbel und Tobias Frohn in die Partie werfen kann. Sofort setzten die drei Routiniers entscheidende Impulse und hoben das Spiel des TVG auf ein höheres Niveau.

Gleichzeitig brachten die Waldhöfer mit dem Gedanken an die komfortable Führung gerade in der Abwehr nicht mehr die volle Intensität aufs Parkett. Innerhalb von neun Minuten halbierte Großsachsen den Rückstand. Anfangs noch ein wenig belächelt war den Buwen spätestens beim 20:16 Anschluss in der 49.Minute die Verunsicherung ins Gesicht geschrieben. Der Gast berauschte jetzt sich an jedem Tor, zeigte eine starke Moral und trieb sich gegenseitig an, während die Formkurve des SVW geradewegs weiter ins Bodenlose rauschte.

Völlig verkrampft in der Offensive produzierte man auch in den folgenden neun Minuten nichts mehr Zählbares. Insgesamt gelangen ab der besagten 10-Tore-Führung nur noch fünf eigene Treffer. Neben zahlreichen Einladungen zu Gegenstößen, wirkte die viel gelobte Defensive nur wie Statisten.

Beim 21:18 in der 54.Minute versuchte Trainer Francesco Caria in einer Auszeit auf seine Spieler einzuwirken, um den Super-Gau zu vermeiden. Geholfen hat es leider wenig. Direkt im Anschluss ließen sich seine Jungs zweimal auf der linken Abwehrseite düpieren. Da die Entlastung im Angriff fehlte, zeigte die Hallenuhr vier Minuten vor Schluss nur noch 21:20 für den SVW.

Der Ausgang des Spiels war wieder völlig offen, und ehrlich gesagt wies nichts mehr auf einen Sieg der Blauschwarzen hin. Bei den vier folgenden Angriffen fiel jedoch auf beiden Seiten kein Tor. In Minute 59 leistete Tobias Kohl seiner Mannschaft dann einen Bärendienst, als er sich im eigenen Angriff eine Zeitstrafe wegen Reklamierens einhandelte. Großsachsens gefährlichster Schütze an diesem Tag hatte sich vorzeitig selbst aus der Partie genommen.

Vielleicht waren sich die Unparteiischen sich bezüglich dieser Entscheidung und dessen Konsequenzen nicht sicher, weswegen sie 15 Sekunden später für ein harmloses Foulspiel, sowohl Strafwurf als auch Zwei-Minuten gegen Moritz Dornseiff verhängten.

Das Duell hieß Maximilian Albrecht gegen Sven Fischer. Fünf von sechs Würfen hatte die Nummer vier des TVG bis dahin von Punkt im Tor untergebracht. Aber in diesem Moment stand ihm der Mann gegenüber, der sich über die gesamte Spieldauer mit seinen Paraden in die Köpfe der Gegner hereingerabietet hatte. Und auch hier tauchte er mit einem starken Reflex nach links unten ab und kratze den Ball von der Linie.

Ein Treffer vorne, eigener Ballbesitz, 5 gegen 5 auf der Platte und nur noch 1:40 Minuten übrig. Der SVW hatte nach der Glanzparade den Sieg wieder in eigener Hand. Natürlich wollten die Blauschwarzen auch möglichst viel Zeit von der Uhr nehmen. Aber aufgrund des stark angeschlagenen Selbstbewusstseins fehlte der Zug Richtung gegnerisches Gehäuse. Auch mit mehr Platz auf dem Feld, erspielten sich die Buwen so keine klare Torgelegenheit.

Der Arm der Schiedsrichter hob sich. Auf der halblinken Position wurde dem SVW noch ein Freiwurf zugesprochen. Der Drei-Mann-Schirm stand bereit für Joseph Poser. Sein vorheriger Versuch konnte Großsachsens Torhüter Tobias Frohn sogar fangen, Höchststrafe für jeden Schützen. Vielleicht hatte er diese Situation noch im Hinterkopf, als er von 10-Meter hochstieg und den Ball gnadenlos ins Torwarteck direkt in den Knick prügelte.

Der TVG kam zwar nochmals zum Anschlusstreffer, in den verbliebenen sechs Sekunden ließen die Buwen aber nichts mehr anbrennen.

Am Ende war die Erleichterung und Freude über die Big-Points riesengroß. Über weite Strecken hatte man eines der stärksten Teams mehr als 45 Minuten mit einer hochkonzentrierten und souveränen Vorstellung klar dominiert.

Leider wechseln sich zurzeit diese starken Phasen nicht mit mittelmäßigen, sondern katastrophalen Vorstellungen ab. Das die beiden Seiten des SVW innerhalb einer Partie auftreten zeigt eigentlich nur, dass das Problem im Kopf zu suchen ist. Das Team hat bewiesen, dass Sie alle Mannschaften in der Liga schlagen kann. Dafür muss sie nur ihre Konstanz und Selbstverständlichkeit aus der Vorrunde wiederfinden.

Für den SVW spielten:

Fischer; T. Kremser (beide im Tor); J. Poser (4); N. Karl; M. Dornseiff; M. Lombardo; P. Schäfer (2); T. Truth; J. Hake (2); M. Zec (1); T. Linder; A. Amend (9/6); S. Jacobi; M. Bloch (4)

Trainer: F. Caria

Nächste Woche reisen die Buwen zum Nächsten Spitzenspiel nach Handschuhsheim. Noch liegt der Gastgeber mit 7 Minuspunkten einen Platz vor dem SVW. Und auch im Hinspiel entführten die Heidelberger in wirklich allerletzter Sekunde die Punkte noch aus der Herbert-Lucy-Halle. Genug Zündstoff für spannende 60 Minuten Handballsport.

Bis zum nächsten Mal

Euer Jan H.

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Kategorien: Herren 1Spielberichte