46. Minute: Auf einmal steht es 16:16 und ich hab Angst, dass ich den Bericht aus Großsachsen wieder ausgraben muss. Wieder hatte man den Gegner zweidrittel des Spiels dominiert. Wieder ließ man in dieser Phase viele klare Gelegenheiten liegen und verpasste so eine frühzeitige Vorentscheidung. Wieder nutze der Konkurrent seinerseits die Schwäche der Mannheimer und gestaltete das Spiel wieder ausgeglichen. Und dann?

Aber der Reihe nach. In dieser Woche mussten die Jungs vom SV Waldhof zum wiedererstarkte Aufsteiger der HSG Mannheim. Der Verein hatte sich bereits vor der vergangenen Saison eine komplett neue Mannschaft zusammengestellt und dabei nicht nur viele erfahrene Akteure aus höheren Ligen verpflichtet, sondern auch mit Stefan Tunkl den aktuellen Torschützenkönig der Kreisliga in ihren Reihen. Dementsprechend gelang im letzten Jahr dann auch ein relativ ungefährdeter Aufstieg. Nun sollte die Kreisliga ebenfalls lediglich eine Durchgangsstation für das ambitionierte Team sein. Die zwei bitteren Niederlagen zur Saisonbeginn gegen den TV Friedrichsfeld und die HG Oftersheim/Schwetzingen waren dann wohl schon mehr als ein kleiner Dämpfer. Mit dieser Hypothek startete die HSG jedoch eine Serie aus vier Siegen in Folge und wollte nun mit einem Erfolg über die Buwen wieder aktiv in den Meisterschaftskampf eingreifen. Die Zeichen für ein spannendes Spiel standen also gut.

Unter den Augen einer Landesligakulisse erwischten die Waldhöfer den besseren Start in die Partie und gingen schnell mit 4:1 in Führung. Dabei konnte die Erfahrung im Angriffspiel gegen eine 3-2-1 Deckung aus der Vorwoche beim Sieg gegen Vogelstang erfolgreich angewendet werden. Mit viel Bewegung und Dynamik fanden die Jungs vom Alsenweg immer wieder Lücken im Abwehrverbund der HSG. Auch das Prunkstück dieser Saison, die Defensive mit einem starken Sven Fischer im Tor, zeigte sich wieder einmal beweglich und aggressiv. Lediglich Stefan Trunkl konnte in der Anfangsphase das Bollwerk punktuell überwinden und erzielte drei der ersten fünf HSG Tore. Auch im weiteren Verlauf waren die Waldhöfer das klar bessere Team. Immer wieder kam man durch schnelles und sicheres Kombinationspiel in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Aber auch dies gehört in diesem Jahr zum SVW. Ob im Positionsspiel, Gegenstoß oder vom 7m-Punkt, zurzeit werden noch zu viele klare Gelegenheiten liegen gelassen. Auch wenn der Ball vielleicht nicht ganz so griffig war wie gewohnt. Dementsprechend verpasste man zu diesem Zeitpunkt im Match bereits eine bessere Ausgangsposition. Bezeichnend für den Spielverlauf waren hierbei die letzten Szenen im ersten Durchgang. Beim Stand von 07:10 in der 29.Minute hatte die Mannschaft von Francesco Caria mehrmals die Möglichkeit mit einer höheren Führung in die Kabine zu gehen. Anstatt jedoch mit dem 11. und 12. Tor ein beruhigendes Polster herauszuarbeiten gelang der HSG sogar noch der Anschluss zum 8:10.

Und so wurde die zweite Halbzeit zu einem wahren Krimi. Mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet und vorgepeitscht von den zahlreichen Zuschauern in der Richard-Möll-Halle startete die Heimmannschaft eine Aufholjagd. Bereits in der nach 10. Minuten konnte der Vorsprung der Waldhöfer erstmals egalisiert werden.

Und dann folgte die ominöse 46.Minute. In diesem Moment ging das Déjà-vu Gespenst bei den Buwen um. Die Unruhe war sowohl auf dem Spielfeld als auch auf der Bank und der Tribüne spürbar. Die Partie drohte zu entgleiten.

Doch in diesem Augenblick zeigte sich, dass das Team des SVW in diesem Jahr eine Entwicklung durchlaufen hat. Plötzlich war die Mannschaft wieder da. In der Abwehr pushte man sich gegenseitig, half einander aus und holte sich so die Sicherheit fürs Angriffspiel zurück. Und Vorne wurde die Verantwortung auf nahezu alle Schultern gleichmäßig verteilt. Spätestens beim souverän verwandelten 19:18 von Antoine Jockers in Minute 52 kippte das Momentum endgültig auf die Seite der blauschwarzen. Acht Minuten blieben die HSG in dieser Phase ohne eigenen Treffer. Das nutzen die Buwen, um sich vorentscheidend zum 21:18 abzusetzen. Auch ein Time-Out und eine Umstellung der Abwehr seitens der HSG konnte den Lauf der Waldhöfer nicht mehr stoppen. Den Schlusspunkt setze Thorsten Linder zum 24:21 Endstand für den SVW.

Letztendlich sorgte eine geschlossene Mannschaftsleistung für die Wende und den Gewinn der so wichtigen zwei Punkte. Auch die Statistik belegt diesen Eindruck. Denn die letzten 7 Tore wurden von 6(!) verschiedenen Spielern erzielt. Das Team hat zum richtigen Zeitpunkt die Sieggeilheit für sich entdeckt.

Für den SVW spielten:

Sven Fischer, Tim Kremser (beide Tor), Thorsten Linder (1), Massimo Lombardo (2), Moritz Dornseiff (5), Jan-Philipp Hake (1), Milos Zec (1), Joseph Poser (3), Alexander Lein (2), Tobias Herm , Andreas Amend (4/1), Patrick Schäfer (3/1), Antoine Jockers (2) und Jan Freytag

Trainer: Francesco Caria

Nächste Woche steht das nächste schwere Heimspiel gegen die Drittvertretung der HG Oftersheim/Schwetzingen an. Wir laden Sie herzlich ein, den Nikolaus-Tag zusammen mit dieser großartigen Truppe zu feiern. Im Rahmenprogramm erhält jeder Zuschauer mit Nikolausmütze einen kostenlosen Glühwein oder Kinderpunsch. Mit zwei Punkten möchten wir uns dann aber doch lieber selbst beschenken.

Bis zum nächsten Mal, Euer Jan H.

facebook Herren 1: HSG Mannheim - SV Waldhof Mannheim 07 21:24 (8:10)

Quelle: http://www.handballbw.de/Spielbetrieb/index.php?A=g_class&orgID=39&score=19625&nm=3

 

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