Die Sensation SVW

Moin zusammen, wer es noch nicht mitbekommen hat: WIR SIND (theoretisch) TABELLENFÜHER! Es ist kaum zu fassen! Wenn man sich die Tabelle anschaut, findet man zwar den SVW auf dem 2. Platz, schaut man aber auf die Punkte, wird man erkennen, dass wir weniger Minuspunkte und ein Spiel weniger haben, als der Tabellenführer. Mit dem besten aller Gefühle verabschieden sich die Buwen somit in die Winterpause. Was war das ein sensationelles 2016:

Bisher haben wir doch alle gedacht, dass unser Highlight des Jahres bereits im April feststand. 2014 eigentlich schon aus der Kreisliga abgestiegen, 2015 dann mit einem Tor (!) nicht Meister geworden, feierst du endlich, endlich den erstmaligen Aufstieg in die Landesliga.

Unsere Euphorie, während des Sommers bereits eingefräst in die Wege des Käfertaler Waldes, explodierte spätestens beim Saisonauftakt gegen den TSV Malschenberg.

Auch die folgenden neun Begegnungen mit waldhöfer Beteiligung waren meist sehenswert, öfters spektakulär und immer hochdramatisch. Vier mal ging der Fight sprichwörtlich bis zur letzten Sekunde. Nicht immer hatten die Buwen dabei das glücklichere Ende für sich (Handschuhsheim, Großsachen, Bammental).

Nervenschonend geht anders, aber zumindest können wir jetzt Crunch-Time!

Und wie in einem perfekten Drehbuch trafen zum Abschluss der Hinrunde standesgemäß die beiden Mannschaften aufeinander, die in der Tabelle ganz oben stehen.

Dabei mussten die Gäste aus Königshof genau wie die Waldhöfer bisher nur eine Niederlage hinnehmen, leisteten sich jedoch einen Punktverlust weniger. Beste Voraussetzungen für ein Handballfest.

In der Anfangsphase brannte dann ein Mann ganz besonders: Milos Zec rückte wie bereits letzte Woche durch den Ausfall von Joseph Poser in die Startformation. Mit purer Entschlossenheit und ohne Rücksicht auf sich und andere sprang er in jede sich bietende Lücke. 3 Tore erzielte er so selbst, ein Weiteres bereitete er vor. Am Ende hatte er 6 Hütten auf dem Konto, Bärenstark! Dies half auch seinen, bis dahin noch nicht 100% sicheren, Nebenleuten sichtlich.

Denn der Erfahrungsunterschied zwischen den beiden Mannschaften war doch deutlich spürbar. Trainer Roman Christov und sein Team gehören zu den Dinosauriern in der Liga und sind seit Jahren aufeinander abgestimmt. Diese Routine spielten sie zu Beginn aus. Die Buwen hingegen riefen ihr spielerisches Potenzial nur bedingt ab und hatten mehr mit sich als mit dem Gegner zu kämpfen.

Eigentlich machte man vieles richtig, aber dann eben doch nicht alles. Die Königshofer, die eher mit ihrer Körperlichkeit als durch Ihre Dynamik Chancen generieren, bekamen sichtlich Probleme mit der offensiven Deckung der Waldhöfer. Eine mannorientierte Abwehrformation hat jedoch den Nachteil, dass, wenn ein Spieler unaufmerksam ist, das gesamte Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Und genau das passierte in regelmäßigen Abständen.

Die Waldhöfer spielten auch vorne mit mehr Variation, mehr Tempo und höheren technischen Schwierigkeitsgrad als der Gegner, aber eben auch mit einer wesentlichen größeren Fehlerquote. Diese angesprochene Kombination aus enormer Abspannung und überdurchschnittlicher Motivation ließ die Hände weich werden. Ungenaue Anspiele und nicht gefangene Bällen reihten sich in dieser Phase aneinander.

Folgerichtig stand es in der 15. Minute 8:10 für die Königshofer.

Jedoch konnte ab diesem Zeitpunkt die eigene Defensivleistung endlich gesteigert werden. Der hohe läuferische Aufwand zeigte bei den Gästen erste Spuren. Wie schon über die gesamte Dauer hinweg musste der TVK hart für jeden Treffer arbeiten. Bisher öffnete doch immer noch einer der Buwen am Ende Raum zum Durchstoßen. Blieb man kompakt, ergab sich auch für Sven Fischer im Tor endlich die Möglichkeit sich auszuzeichnen.

Trotz, oder vielleicht wegen der hohen Rate an technischen Fehlern, legten die Waldhöfer auch ein sehr gutes Rückzugsverhalten an den Tag. Bis zur Pause gelangen der HG aus diesen Gründen nur noch drei Tore, der Waldhof jubelte immerhin fünfmal.

Halbzeitstand 13:13 in einer Partie, die qualitativ noch nicht das Prädikat „Spitzenspiel“ verdient hatte.

Nach Wiederanpfiff dauerte es drei Minuten, bis der SVW mit einem Wurf von Moritz Dornseiff die abermalige Führung erzielte. Im Anschluss folgten die besten, und letztendlich auch entscheidenden Momente in diesem Spiel.

Einerseits näherte sich Effektivität im Angriff zumindest einem durchschnittlichen Niveau. Wenn es jedoch an einem solchen Tag nicht über die spielerische Klasse geht, muss halt eine pure Willensleistung her. Und die konnte die gesamte Halle nun in der Defensive bestaunen. Da wurde mit jedem Körperteil versucht, den Gegner vom Tor fernzuhalten. Nicht überhart, aber mit vollem Einsatz unterstütze auch der Nebenmann bei Bedarf. Wie klein ein Handballfeld werden kann, wenn eine blauschwarze Wand vor einem steht, kann man die Königshofer ja gerne im Nachgang mal fragen.

Halbzeitübergreifend hielt man den TV so bei sechs Treffern in 30 Minuten. Bis auf fünf Tore konnten die Buwen den Abstand maximal vergrößern. Sowohl in der 43. Minute beim Stand von 21:16, als auch vier Minuten später hätte sich der SVW endlich absetzen können, vielleicht sogar müssen.

Aber diese Abgezocktheit muss man sich erarbeiten. Ein Fortschritt ist bereits zu erkennen, am Ende der Lernkurve sind wir definitiv noch nicht.

Denn aus dem komfortablen 23:19 wurde plötzlich sechs Minuten vor Schluss ein 23:22.

Positiv ausgedrückt: Platz für Helden. Einer davon: Stefan Kayser. In einem Akt der absoluten Entschlossenheit bekam er in Unterzahl bei fremdem Angriff irgendwie die Hände an den Ball, sprintete übers das gesamte Feld und nagelte das Spielgerät so dermaßen hart in den Knick, dass man das Scheppern noch in den obersten Rängen hörte. Bei diesem Geräusch rasteten nicht nur Fans und Bank völlig aus, sondern die Zuversicht in die eigene Stärke kehrte auch ein Stück weit zurück. Der SVW hatte die brenzlige Situation gerade so überstanden, jetzt durfte man den Sieg nicht mehr hergeben!

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie die letzten Minuten abgelaufen sind. Entweder lag es am Adrenalin oder dem anderen Warnehmungserweiterer mit A, der im Nachgang reichlich serviert wurde, aber das Stück Erinnerung fehlt einfach.

Umso deutlicher setzt der Film im Kopf bei den letzten dreißig Sekunden wieder ein, als sämtliche Ersatzspieler tanzend auf der wackligen Bank dem Ende entgegenfiebern. Gefolgt von anschließendem Platzsturm sowie gesungenen Hymnen an die Toure- Brüder, sowie natürlich, Mo. Wobei bis heute keiner weiß, warum wir immer nur wegen ihm gewinnen.

Für den SVW spielten:

S.Fischer, T. Kremser (beide Tor), S. Kayser (3), M. Dornseiff (5), M. Lombardo, P. Schäfer, T. Truth (3), J. Hake, M. Zec (6), T. Linder, M. Uhlitzsch (1), A. Amend (3/1), A. Rauner (4), M. Bloch (2)

Trainer: F. Caria

12 more Games to go also. Man will gar nicht daran denken, was ganz vielleicht doch diese Saison möglich sein könnte. Als Aufsteiger, nicht einmal als Meister der vergangenen Spielzeit. In dieser, und ich wiederhole, völlig ausgeglichen Landesliga. Aber wir sind dabei, und das kann man ja ein wenig genießen. Oder auch ein bisschen mehr.

Besonderen Dank geht heute an unsere Waldhof E/D-Jugend, welche den weihnachtlichen Flair in die Herbert-Lucy- Halle brachten und als Einlaufkids unsere Buwe begleiteten. Ich hoffe Ihr seid alle im kommenden Jahr auch wieder dabei!

Bis dahin frohes Fest, angenehme und gesunde Feiertage und einen guten Übergang ins neue Jahr. Möge das auch blauschwarz werden. Euer Jan

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Kategorien: Herren 1Spielberichte