Und täglich grüßt der SVW

Langsam kann ich mir eine Formatvorlage für unsere Spiele machen.

Skript: klare spielerische Überlegenheit in der Anfangsphase, dann aufgrund ein einzigen Aktion (Verletzung, Auszeit, etc..) gibt es einen brutalen Bruch im eigenen Spiel, der Gegner holt auf und gestaltet das Halbzeitergebnis ausgeglichen. Start in die zweiten Abschnitt wieder gut, man liegt irgendwo zwischen der 45ten und 50ten Minute komfortabel mit 3+X Toren vorne, bis man das HSV- Syndrom bekommt und den Gegner völlig unnötig einlädt. Am Ende hat dann ein Team die Chance per Strafwurf den Sieg zu holen. Nach zwei verpassten Gelegenheiten auf unserer Seite ließen wir dieses Mal der anderen Mannschaft dabei den Vortritt, die glücklicherweise ebenfalls vom Punkt Nerven zeigte und wir somit das Ding dann schlussendlich nach Hause fahren konnten. Endstand 26:24 für den SVW.

Mehr ist dazu nicht zu sagen, daher wünsche ich eine angenehme Woche!

Für alle, die wirklich noch nicht genug haben, gibt es jetzt noch eine Langversion.

Aber mein persönlicher Tipp: macht was mit euren Liebsten, geht mit dem Hund raus oder starrt in die Leere vor euch. Alles ist sinnvoller. Es reicht schon, dass ich mit dem Verfassen des Berichtes den Sonntagvormittag verbringen muss. Ihr verdient Besseres!

Der SVW musste dieses Wochenende zur Zweitvertretung der TSV Amicitia Viernheim anreisen. Die Mannschaft hatte eine bewegte Sommerpause hinter sich, da nahezu der kompletten Kader aufgrund zahlreicher Abgänge ausgetauscht werden musste. Beim Vorbereitungsturnier in der Herbert-Lucy-Halle konnte man diese Abstimmungs-schwierigkeiten noch klar erkennen, als das Team von Trainer Dennis Matecki mit 18 Toren gegen die Buwen unterging. Auch vergangene Woche verlief ihr verspätetes Liga-Debut bei den PSV Knights aufgrund der 17:27 Niederlage mehr als unglücklich.

Die Buwen konnten nach dem Last-Second-Schock hingegen einige Rückkehrer begrüßen. Josef Poser war nach überstandener Bänderdehnung wieder dabei, und auch Maxi Uhlitzsch hat seine Grippe abgeschüttelt.

So jetzt aber. Vorsicht: Wiederholung!

In den ersten 15 Minuten zeigte die Mannschaft von Francesco Caria Ihr gesamtes spielerisches Repertoire. Aus einer kompakten Abwehr mit einem sehr gut aufgelegten Sven Fischer erarbeiteten sich die Buwen leichte Treffer durch schnelle Gegenstöße. War das erste Anspiel nicht möglich, hielten die Waldhöfer mittels zweiter Welle und schneller Mitte das Tempo hoch und überraschten den TSV, bevor diese die Defensive formieren konnte. Und im Positionsspiel riss man durch geradlinig gespielte Konzeptionen so große Lücken, dass am Ende nur noch einer durchspringen und sich die Ecke aussuchen musste, um den Ball im Kasten unterzubringen

Nach 15 Minuten drohte Viernheim ein ähnliches Schicksal wie fünf Wochen zuvor, sodass der Trainer beim Stand von 8:3 für die Blauschwarzen eine Auszeit nehmen musste. Die Parallele zur Partie gegen Handschuhsheim ist erschreckend, denn innerhalb der 60 Sekunden wurde bei den Waldhöfern der Reset-Knopf gedrückt. Festplatte leer, Spielintelligenz gelöscht. Es folgten 10 Minuten fürs Lehrbuch, wie man eine am Boden liegende Mannschaft aber ganz sicher wieder aufbaut. Aus indiskutablem Standhandball wollte jeder seine individuelle Chance nutzen, die faktisch nicht existierte. Dabei schenkte die Buwen nicht nur dem Torhüter übermäßig viele Erfolgserlebnisse sondern schoss gleichzeitig auch die Hände des Mittelblocks auf Betriebstemperatur. Teilweise wussten die Viernheimer gar nicht, wie ihnen geschieht, so oft konnten sie jetzt vor Freude die Arme hochreißen. Bei allem Respekt vor dem Gegner, aber die TSV spielte nicht anders als zu Anfang der Begegnung. Wie wahrscheinlich in der Teambesprechung festgelegt wurde vorne mit zwei Kreisläufern agiert. Als taktisches Mittel kann vielleicht noch die Manndeckung auf der halblinken Position der Waldhöfer anführen. Aber dies erlebte der SVW nicht zum ersten Mal.

Nein, Viernheim machte das, was man von einem Landesliga- und Heimmannschaft erwartet: mit großer Leidenschaft konsequent die Einladungen des Gegners annehmen.

Innerhalb von 10 Minuten hatte man den Vorsprung beim 9:9 grundlos hergeschenkt. Anstatt einen ruhigen Nachmittag zu erleben und auch das eigene Selbstbewusstsein zu polieren ließ man sich wieder auf ein Zitterspiel ein. 12:10 Stand es für den SVW zur Halbzeit.

Jedoch kam die Mannschaft von Francesco Caria besser aus der Kabine. Schnell wurde aus der 2 eine 4 Tore Führung. Dennoch blieb das Spiel der Mannheimer fahrig. Wo in den ersten 30 Minuten nur die Halbchancen liegengelassen wurden, vergaben die Buwen jetzt auch die vermeintlich klaren Dinger. Darüber hinaus zeigte man ungewohnt viele technische Fehler wie Kreisübertritte, unvollständige Pässe, Schwierigkeiten beim Ballfangen… eigentlich wurde die gesamte Palette der Fehlermöglichkeiten ausgeschöpft. Dennoch blieb bis zur 42.Minute durch das Tor von Moritz Dornseiff zum 20:16 aus waldhöfer Sicht der Abstand konstant. Als dann auch noch Sebastian Joerchel auf Seiten der TSV für zwei Minuten die Platte verlassen musste war doch endlich die Gelegenheit da, trotz eigenem schwachen Spiel hier Ruhe reinzubringen. Aber getreu dem Motto: „Was ich mit den Händen aufbaue, kann ich mit dem Arsch ja wieder einreißen“ leisteten sich die Buwen in dieser Phase einen kollektiv Blackout. Vogelwild in der Abwehr, überhastet im Angriff, und das trotz Überzahl, konnte der Gastgeber innerhalb von vier Minuten auf 20:20 ausgleichen.

Jetzt hatte man die Situation, die nach den zwei dramatischen und brutal ernüchternden Erlebnissen der vergangenen Wochen unbedingt verhindert wollte. Wieder so eine Nervenschlacht in der Schlussphase. Völlige Zuversicht war da in den Reihen des SVW verständlicherweise nicht zu Spüren. Wie ein taumelnder Boxer versuchten die Jungs nur noch die zwei Punkte zu retten. Bisher war nahezu Alles schiefgegangen, was man sich vorgenommen hatte, jetzt sollte zumindest das Minimalziel erreicht werden.

Man sucht ja dann immer nach der entscheidenden Szene für den Ausgang so einer Begegnung. Ich denke, dieses Mal finden wir diese bei gespielten 55:28. Viernheims überragender Mann Christian Peiter trat zum 7-Meter an. Den ersten Wurf konnte Sven Fischer noch parieren, den Nachwurf aber musste er zum 23:24 passieren lassen. Im Kampf um den Ball verletzte sich der Schütze jedoch leider schwer. Mit blutendem Cut über dem Auge war für ihn die Partie vorzeitig beendet. Wir wünschen von hier aus gute Besserung!

Ohne Ihren Topscorer (14 Treffer) und Lenker im Angriffspiel fehlten den Viernheimer in den letzten Minuten die nötigen Impulse, um die Partie noch zu drehen. Als dann sein Vertreter am Punkt, Fabian Joerchel, den letzten Strafwurf nicht unterbrachte, stand der Sieg für die Buwen fest. Bezeichnend jedoch, dass man sich bei der Ausführung genau dieses 7-Meters, beim Stand von 25:23, 1:30 vor dem Ende, zu einem Scharmützel hinreißen ließ und sich damit komplett Sinn frei selbst dezimierte. Gottseidank hatte Fabian Joerchel Mitleid, ich will mir nicht vorstellen, wie die Begegnung sonst ausgegangen wäre.

Jetzt hat die Mannschaft drei Wochen spielfrei. Zeit also, um sich neu einzustellen. Besser ist das!

Viele Grüße – euer Jan

Für den SVW spielten:

S. Fischer, P. Mertel, T. Kremser (alle im Tor), J. Poser (1), N. Karl, M. Dornseiff (4), M. Diederichsen, P. Schäfer, J. Hake (3), M. Zec, M. Uhlitzsch (1), A. Amend (11/3), A. Rauner (2), M. Bloch (4)

Trainer: F. Caria

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Kategorien: Herren 1Spielberichte