Unentschieden gegen kämpferische Bammentaler

Wie beurteilt man ein Unentschieden in fremder Halle, welches man auch noch in der letzten Sekunde durch einen Strafwurf geholt hat?

Eigentlich ein Grund zu Freude, aber dennoch hatte es wieder einen faden Beigeschmack. Denn die erste und einzige Führung gelang der Heimmannschaft nach exakt gespielten 59 Minuten und 45 Sekunden, nämlich zum 25:24.

Bis zur 45.Minute sahen die Jungs vom SVW nach dem klaren Sieger aus. Bereits in der ersten Halbzeit startete man furios und führte mit 5:1. Allerdings täuschte dieser Zwischenspurt darüber hinweg, dass sich hier zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegneten. Das Tempo und die Intensität waren immens hoch. Harte, aber nie unsportliche Zweikämpfe reihten sich aneinander. Somit mussten beide Teams ihren besten Handball zeigen. Konzentrationsschwächen wurden hinten wie vorne gnadenlos bestraft, dafür war die individuelle Klasse auf jeder Position einfach zu groß. Dies führte gerade in den ersten 30 Minuten zu einem engen Schlagabtausch. Gut auch, dass das Schiedsrichtergespann die Körperlichkeit zuließ und somit zur Spannung des Spiels beitrug

Nachdem die Waldhöfer wie erwähnt besser in die Partie kamen, glich der TV Bammental binnen neun Minuten wieder auf 6:6 aus. Bis zur Pause sollte der Vorsprung des SVW bei maximal einem Tor bleiben. Krönender Abschluss war dann wohl der direkt verwandelte Freiwurf von Maxi Uhlitsch in der letzten Sekunde, welcher krachend im Winkel einschlug. 12:11 ging es für die Jungs vom Alsenweg in die Kabine.

Auch nach der Unterbrechung war der SVW zu Anfang frischer. In der Deckung agierte das Team von Francesco Caria nochmals auf einem höheren Level. Der TVB nutze sämtliche taktische Möglichkeiten, aber selbst durch Hereinnahme des siebten Feldspielers fand die Heimmannschaft keine Lücken. Im Gegenteil, sogar Torwart Sven Fischer gelang ein Treffer übers ganze Feld. Diese paar Prozent mehr reichten, um die Buwen Mitte der zweiten Hälfte auf 19:13 in Front zu bringen.

An dieser Stelle muss man der Mannschaft des TV Bammental auch mal ein riesen Kompliment machen. Unterstützt von laustarken und begeisterten Fans gab sich der Gastgeber nie geschlagen. Innerhalb von nicht einmal 120 Sekunden, auch begünstigt durch eine Zeitstrafe beim SVW, kam man mit einem 3-0 Lauf zum 16:19 wieder auf Schlagdistanz. Und mit dem Einsatz war dann auch manchmal das Glück auf ihrer Seite. Einmal rettete Nico Kahlich, im Tor des TVB, mit einem gewaltigen Hechtsprung den sicheren Treffer, einmal stand plötzlich der Schiedsrichter beim Gegenstoß im Weg.

Jedoch bleibt zu konstatieren, dass die Junge Truppe von Francesco Caria immer noch Lehrgeld bezahlen. Denn mit zunehmender Dauer ließ man sich mehr und mehr vom Gegner und der Kulisse beeindrucken. Potenziert wurde dieser Zustand durch die offensive Deckung gegen die „Spielgestalter“ Mark Bloch und Joseph Poser. Aus dem Positionsspiel entstand nur noch wenig Produktives. Man hatte das Gefühl, dass mit jeder Minute die Beine bei den Akteuren in blauschwarz schwerer wurden. Klare Lösungen waren nur noch punktuell herausgearbeitet, und wie bereits in der 50 Minuten zuvor, nahm der überragende Keeper auf Seiten der Bammentaler weiterhin jede Halbchance weg.

Die Verunsicherung im Angriff übertrug sich in der Schlussphase auch auf die Defensive. Abstimmungsprobleme, gerade bei Übergang eines zweiten Kreisläufers, nutze die Heimmannschaft konsequent zu eigenen Treffer. Und während die Buwen mit sich und den Umständen haderten, gelang dem TVB fast Alles. Gefühlt jeder Abpraller landete bei den Grünen, Schlagwürfe aus dem Stand fanden durch sämtliche Hände von Abwehrspielern und Torhüter den Weg ins Netz. Die Bammentaler gingen entschlossener in die 50/50 Situationen und gewannen diese auch deshalb für sich. Ehrlich gesagt war es nur eine Frage der Zeit, bis der Endspurt des TVB das Spiel kippen würde. Gottseidank dauert so eine Partie beim Handball aber doch 60 Minuten, sodass die Führung zum 25:24 dann doch nur eine Momentaufnahme bleiben sollte, ehe Joseph Poser nach der Schlusssirene per 7-Meter zum 25:25 ausglich.

Zurück zur meiner Frage. Am Ende teilten sich zwei aufopfernd kämpfende Teams in einer packenden Partie gerechterweise die Punkte. Und vollkommen zurecht wurden sie auch beide von Ihren Fans gebührend gefeiert.

Allerdings ist es echt hart, wenn man weiß, dass man mittlerweile sämtliche vier Minuspunkte selbst verschuldet sind. In allen Begegnungen hatte man bis zum Schluss den Sieg in den eigenen Händen, und vergab diese in der Crunch-Time in teilweise dramatischer, aber eben auch mitunter naiven Art und Weise. Definitiv ist dies immer noch Jammern auf sehr hohem Niveau, wenn man als Aufsteiger mit 8:4 Punkten und lediglich einer Niederlage aus den bisherigen sechs Spielen im oberen Tabellendrittel bleibt.

Für den SVW spielten:

S. Fischer (1), T. Kremser (beide im Tor), J. Poser (7/3), N. Karl, S. Kayser (1), M. Dornseiff (5), P. Schäfer (2/1), T. Truth (1), J. Hake, M. Zec, T. Linder, M. Uhlitzsch (6), A. Rauner (1), M. Bloch (1)

Trainer: F. Caria & A. Amend

Nächste Woche geht es am Samstag, um 20 Uhr in eigener Halle gegen die PSV Knights aus Heidelberg. Die Gäste finden sich zurzeit mit nur einem Sieg am Tabellenende der Landesliga wieder. Vielleicht machen wir es nur dieses eine Mal nicht wieder so spannend. Euer Jan

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Kategorien: Herren 1Spielberichte