Handball mal anders- das 5-gegen-5 Spiel

Heute fällt es mir wirklich schwer die richtigen Worte zu finden, da das Spiel selbst unglaublich viele Facetten enthielt, die diesen Sport so einmalig machen. Unfassbare Dramatik, pure Emotionen, maximale Intensität und spielerische Klasse hinterließen bei Zuschauern und Akteuren einen bleibenden Eindruck. Darüber hinaus blieb sogar für den Regelliebhaber kein Wusch offen, denn nahezu alle Neuerungen wie siebter Feldspieler, blaue Karte und Zeitspielanpassungen kamen zum Tragen.

Fakt ist: Wir haben bei einem sehr starken Gegner einen Punkt entführt. Aber es wäre vielleicht mehr drin gewesen.

Nach dem erfolgreichen Saisonstart in der letzten Woche, gegen den TSV Malschenberg, stand für die Buwen direkt das nächste Highlight der jungen Landesligasaison auf dem Programm. Die erste Auswärtsfahrt nämlich ging direkt zum Mitaufsteiger TV Großsachsen, gegen den man in im vergangenen Jahr in zwei ausgeglichen Begegnungen, jeweils nur knapp den Kürzeren zog.

Der SV Waldhof kam eigentlich besser ins Spiel. Die trainierten Konzeptionen wurden mit hoher Dynamik vorgetragen und rissen so immer wieder Lücken in die gegnerische Defensive. Leider vergab die Mannschaft jedoch, wie vergangene Woche in der Anfangsphase mehrere klare Gelegenheiten. Dass der TVG daraus kein Kapital schlagen konnte, lag vornehmlich wieder an der äußerst beweglichen und extrem kompakt agierenden Abwehrformation, der Mannschaft von Francesco Caria. Nach 8 Minuten stand es in der Begegnung folgerichtig 3:3.

Im Anschluss kam ein Bruch ins mannheimer Spiel, verursacht durch mehrere Zeitstrafen, für diese man zum Verständnis, teilweise schon herausragende Kreativität in der Regelauslegung benötigte. Aber genau dafür sind Schiedsrichter ja schließlich geschult. Sechs davon musste man in den verbleibenden 20 Minuten verkraften. Dies führte dazu, dass die auf Ballgewinn und Umschaltspiel ausgerichtete Spielweise nicht mehr konsequent durchführt werden konnte. Zwangsweise musste das Tempo in Unterzahl gedrosselt werden. Durch die Hereinnahme des sechsten Feldspielers, gestaltete die Mannschaft von Francesco Caria den Angriff dennoch weiterhin ausgeglichen und erarbeitete sich Möglichkeiten. Und mittels leidenschaftlicher Defensive und einem überragenden Sven Fischer im Tor, der neben zahlreichen deutlichen Einschussgelegenheiten auch zwei Siebenmeter entschärfen konnte, hielt man den Gastgeber auf Distanz. Wenn man dann mal wieder in Gleichzahl agierte zeigte sich auch direkt die spielerische Überlegenheit, die Jan-Philipp Hake durch seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 10:7 aus Waldhöfer-Sicht krönte. Beim Stand von 8:11 war es dann wiederum eine 2-Minuten-Strafe für Patrick Schäfer, die Großsachsen ermöglichte den Rückstand zu verkürzen. So ging es mit einer knappen 11:10 für den SVW in die Halbzeit. Den TVG bei nur 10 Toren zu halten, ist nicht nur unter den Umständen eine wirklich starke Leistung. Bei normalem Spielverlauf wäre eine höhere Führung definitiv möglich gewesen.

Direkt zu Beginn kassierten die Waldhöfer, selbstverständlich wieder dezimiert, den Ausgleich. Eine weitere Hinausstellung für Moritz Dornseiff führte dann zum ersten Rückstand der Buwen seit der 4 Sielminute. Unsicherheit schlich sich in die Defensivarbeit der Gäste, da man nie wusste, welche Konsequenz ein Körperkontakt heute haben würde. Von normalen Zweikampf bis progressiver Bestrafung war zur jederzeit alles möglich.

Kurz darauf, beim Stand von 14:13 für die Heimmannschaft, sorgte dann eine doppelte Bestrafung auf seiten des TVG dafür, dass die Waldhöfer die Partie zu Ihren Gunsten drehen konnten. In der 40. Minute schafften die Buwen sogar mit einem 4:0 Lauf den Vorsprung auf 18:15 auszubauen, welche die Großsachsener jedoch innerhalb von nur zwei Minuten wieder egalisieren konnte.

In dieser Phase ließen sich die Waldhöfer von der Spannung und der Kulisse ein wenig beeindrucken. Hektik und Aktionismus rückten im Angriff an die Stelle von kontrolliertem Aufbau. Der in der ersten Halbzeit so erfolgreiche Matchplan, mittels Bewegung in allen Mannschaftsteilen eindeutige Wurfgelegenheiten herauszuspielen, wurde nur noch in Teilen umgesetzt. Stattdessen resultierten die Treffer jetzt aus individuellen Aktionen oder im Zusammenspiel in der Kleingruppe, vor Allem mit dem Kreis. Manchmal wurde das Glück dann auch einfach erzwungen. So erzielte der SVW 5 von 13 Toren in der zweiten Halbzeit vom Punkt.

Um ehrlich zu sagen, schön war es nicht mehr anzusehen. Besser machte es in dieser Situation der TVG. So brachte der Trainer den siebten Feldspieler und legte den Ball und damit die Verantwortung in die Hände von Florian Sauer. Mit fantastischer Übersicht und herausragendem Timing setzte er seine Nebenleute stark in Szene. Diese zeigten jedoch ebenfalls Nerven und scheiterten mit Ihren Würfen mehrmals an Tim Kremser im waldhöfer Tor. Stefan Kayser und Moritz Dornseiff nutzen die Abschlussschwäche mittels zweier erfolgreich vorgetragenen Gegenstöße zum 22:20 Zwischenstand. Spätestens beim 23:21 durch Mark Bloch in der 56. Minute spürte die Buwen, hier geht heute was. Sekunden später wurde man jedoch durch eine weitere diskussionswürdige Hinausstellung für Andreas Ahmend vor eine riesige Herausforderung gestellt. In zweifacher Überzahl (7 gegen 5 Feldspieler) erzielte der TVG durch Markus Schneider den 23:23 Ausgleich. Dann war es die individuelle Klasse von Stefan Kayser, der mit einer gelungenen Aktion nur unfair am Torwurf gehindert werden konnte. 2-Minuten-Zeitrstrafe für den TVG und 7-Meter für den SVW waren die Folge. Die Halle hielt den Atem an. Patrick Schäfer stellte sich der Situation und wuchtete das Ding in Maschen. Noch 1:14 auf der Uhr, ein Mann mehr auf der Platte, das musste doch jetzt reichen! Und tatsächlich vergab der TVG seine nächste Gelegenheit! Trotz Unterzahl setzte die Heimmannschaft auf Manndeckung in der Hoffnung auf einen schnellen Ballgewinn und damit alles auf eine Karte. Leider, leider ging die Taktik auf. Denn der letzte Wurf der Blauschwarzen landete am Oberkörper von Keeper Cedric Ehret. Aus dem Gegenangriff resultierte fünf Sekunden vor Schluss die Wurfchance auf Rechtsaußen, die Stefan Kayser regelwidrig vereitelte. Als Resultat gab es die Disqualifikation per blaue Karte und den Strafwurf. Natürlich trat Florian Sauer an. Mit aller Routine legte er den Ball an Sven Fischer vorbei. Endstand 24:24.

Für den SV Waldhof spielten:

Fischer, T. Kremser (beide im Tor), J. Poser (4), S. Kayser (3), M. Dornseiff (2), M. Lombardo, P. Schäfer (2/2), T. Truth (1), J. Hake (1), M. Zec, T. Linder, A. Amend (6/4), A. Rauner (1), M. Bloch (4)

Trainer: F. Caria

Nächsten Samstag zur gewohnten Zeit um 19.30 treffen die Buwen dann auf den derzeitigen Tabellenführer der Landesliga, den TSV Handschuhsheim. Die haben dieses Wochenende das nächste Ausrufezeichen mit ihrer 10-Tore-Gala gegen den PSV Knights HD gesetzt. Es lohnt sich definitiv zu kommen! JH

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Kategorien: Herren 1Spielberichte