Geil Geil Geil! Landesliga, der SVW ist DA! Und was hat das Bock gemacht!!

Jeder Handballer, wahrscheinlich jeder Mannschaftssportler wird das Gefühl kennen, was sich einen vor dem ersten Saisonspiel verfolgt, für alle Anderen will ich das mal kurz beschreiben.

Man stelle sich vor: Vor diesen 60 Minuten heute lagen 13 Wochen der Vorbereitung, was gleichzusetzen ist mit 13 Wochen Schinderei. Dein Lieblingsspielzeug, den Ball siehst du nämlich erstmal lange nicht. Stattdessen lernst du jeden cm² des örtlichen Waldes kennen, und zwar maximal intensiv. Plötzlich weisst du, dass Pyramiden nicht nur ein ägyptisches Bauwerk sind und bekommst Nachhilfe in Sachen Relativitätstheorie in Form des Erlebnisses, dass auch 15 Sekunden eine verdammt, verdammt lange Zeit sein können.

Gleichzeitig ist der Sommer für son Hallensportler eh ne leidige Angelegenheit, weil sich deine Betriebsstätte bei 35 °C Aussemtemperatur auch mal gerne in Großraumsauna verwandelt, wodurch es dann noch mehr Laune macht an irgendwelchen Turngeräten wildeste Kraft- und Konditionsübungen zu absolvieren. Natürlich weiterhin ohne Ball. Wenn du dir dann also zeitweise nicht mehr sicher bist, welche Sportart du da am Ende jetzt eigentlich betreibst, erlaubt dir der Trainer endlich doch wieder die haftmittelfreie Kunstlederpille in die Hand zu nehmen. Allerdings auch nur, um mit dem Ding noch mehr zu laufen oder stundenlang dieselben Abläufe durchzukauen, was immer gerne als „Automatismen“ trainieren beschrieben wird. Spaß ist anders.

Als krönenden Abschluss, in der Phase, wo du dir bereits diverse Male die Sinnfrage gestellt hast, sperren sie dich ganze Wochenenden von morgens bis abends mit den 15 schwitzenden und jammernden Bekloppten in den Betonbunker, liebevoll als „Trainingslager“ betitelt. Dort durchlebst du die oben erwähnten Leibesertüchtigungen im Zeitraffer, während du versuchst deinen völlig geschundenen Kadaver mit Bananen, Nudeln aus dem Plastikteller und Magnesiumdrinks von der vollständigen Kapitulation abzuhalten. Ist ja auch die wesentlich bessere Option, als bequem mit den Liebsten den guten Weber mal wieder mit was Kurzgebratenem zu verwöhnen und gepflegt die Ein- oder Andere Hopfenkaltschale einzuwerfen.

Aber dann rückt dieser ominöse Matchday ja gottseidank immer näher, und irgendwann ist er dann da. Schon morgens wachst du mit so einem Kribbeln auf. Aus dem Kribbeln wird ein Grummeln. Einstein schlägt wieder zu, mit jeder Stunde wandert dein Blick öfter auf die Uhr. Endlich darfst du ins Auto steigen. 60 Minuten zu früh am Treffpunkt? Egal, Hauptsache schonmal den Geruch der Halle aufsaugen. Direkt in die Kabine, dass erste Mal dieses neue, leuchtend blaue Jersey mit der geliebten Raute auf der Brust überstreifen, vorausgesetzt man hat die Größe nicht wieder zu selbstbewusst bei der Bestellung angegeben. Bauchfrei ist nicht überall nen Stylefaktor. Einer nach dem Anderen deiner Leidensgenossen schreitet durch die Tür. Du spürst auch bei ihnen diese Unruhe, die Gier auf das Kommende. Das Beruhigt dich auf der einen Seite, macht die Wartezeit aber noch quälender. Selbst das Scheppern nimmst du nur so nebenbei mit. Heute gibt es Wichtigeres, als jemand auf den Arsch zu schießen, heute willst du da raus! Mit dem Warmlaufen beginnt der finale Countdown, dein Blick streift über das gegnerische Team, aber eigentlich ist es dir egal, wer dir gegenübersteht. Spätestens im Spielerkreis, wenn sich alle möglichst eng zusammenpressen, wenn du dieses wahnsinnige Glitzern in den Augen der Jungs erkennst, ist alles vergessen. Hier biste richtig, darauf hast du hingearbeitet. Und so schreist du deine seit drei elendigen Monaten aufgestaute Energie nochmal jedem entgegen, bevor du die Platte betrittst.

Und jetzt stell dir vor, du bist letzte Saison auch noch aufgestiegen. In die Landesliga, das erste Mal in der Vereinsgeschichte. Neue Liga, neue Mitspieler, neue Gegner! Da wirst du doch verrückt!

Aber wie ein weiser und erfahrener Trainer schon sagte: „ Handball macht nur Spaß, wenn man auch gewinnt!“ wollten die Buwen direkt mit zwei Punkten starten. Der heutige Gast war die TSV Germania Malschenberg, Aufsteiger aus dem Kreis Heidelberg. Während die TSV letzte Woche bereits einen erfolgreichen Saisonauftakt feiern konnte, wurde das angesetzte Spiel der Buwen gegen Hemsbach ja aufgrund der dortigen Kerwe verschoben. Bockt eh mehr, in der eigenen Halle beginnen zu dürfen!

Und als hätte man Hunde von der Leine gelassen rasten die Jungs in blauschwarz vom Anpfiff an los. Direkt im ersten Angriff erzielte Marc Bloch, Heimkehrer aus Viernheim, das 1:0. Die Anfangsphase wurde von beiden Mannschaften mit aberwitzigem Tempo geführt, wobei gerade die Buwen wie entfesselt wirkten. Der 1:3 Rückstand in Minute 4 war dabei nur eine Momentaufnahme, da man bis dahin bereits zwei 100% Gelegenheiten liegen gelassen hatte. Mit überragender Beinarbeit in der Abwehr zwangen die blauschwarzen den Gegner zu leichten Ballverlusten, welche mittels gnadenlosen Umschaltspiel, gerade durch die schnellen Moritz Dornseiff und Stefan Kayser in echte Wirkungstreffer umgesetzt werden konnten. Mit einem 7:0-Lauf innerhalb von 6 Minuten zur 8:3 Führung rang man den gegnerischen Trainier bereits früh seine ersten Auszeit ab.

Und innerhalb dieser 60 Sekunden schlich sich bei den Buwen der Kater wie nach einer durchzechten Partynacht ein. So schnell man sich den Vorsprung herausgearbeitet hatte, so schnell gab man sie jetzt wieder her. Das angeschlagene Tempo konnte nicht kontrolliert werden. So leistete sich der SVW in der Folge viele überhaste Abschlüsse. Da passte es ins Bild, dass selbst der sichere 7m- Schütze Andreas Ahmend am Punkt scheiterte. Immer noch brachte man den Gegner in der Abwehr in schlechte Wurfpositionen, vergas jedoch dabei zeitweise das kleine 1×1 des Handballs. Zum Beispiel die Regel, dass du nur dann ein Tor erzielen kannst, wenn du auch in Ballbesitzt bist. So bekamen der TSV aus Malschenberg nahezu jeden Abpraller, weil ¾ unserer Mannschaft längst in Gegners Hälfte standen, anstatt das Spielgerät zu sichern.

Und der Gast zeigte dem SVW, wie gnadenlos so ein naives Verhaltens in der Landesliga bestraft wird. Obwohl man gefühlt immer noch drückend optisch Überlegen war, stand es in der 17.Minute plötzlich nur noch 10:9. In solchen kritischen Situationen ist es gut, wenn du einen starken Torhüter hast. Durch seinen gehaltenen Strafwurf brachte Sven Fischer wieder die Ruhe und das Momentum auf die Seite der Waldhöfer. Mit drei schnellen Toren in Folge bauten die Buwen Ihren Vorsprung auf 4 Tore aus, welchen sie bis zu Pause hielten. 17:13 stand es somit nach 30 Minuten.

In der zweiten Halbzeit zeigte die Mannschaft von Francesco Caria vor Allem in der Abwehr eine Wahnsinnsleistung. Bis zur 52. Minute erlaubten die Mannheimer den Gästen gerade mal 3(!!!) Weitere Tore, dabei bliebt der TSV Malschenberg zweitweise ganze 16 Minuten ohne eigenen Treffer. Immer stand ein blauschwarzer zwischen dem Angreifer und dem Tor. selbst in Unterzahl gab man dem Gegner keine Lücken. Und hinten drin stand dann auch noch die personifizierte Mauer Tim Kremser, der die übrigen Chancen mit starken Reflexen zunichte machte. Dabei blieb die Partie über den gesamten Zeitraum fair, was vor Allem an der souveränen Spielleitung des Schiedsrichtergespanns Bartl/Künzig lag.

An so einem Abend ist es dann vielleicht vernachlässigbar, dass trotz müder werdender Gäste das Umschaltspiel nicht mehr mit absoluter Konsequenz durchgeführt wurde. Und das sich auch im Positionsangriff durch fehlende letzte Torgefahr bei jedem Einzelnen, aber auch aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten und weniger Bewegung vermehrt Fehler einschlichen, sodass im zweiten Abschnitt auch „nur“ 11 Tore auf der Habenseite standen.

Ich denke übers gesamte Spiel überwiegen jedoch die positiven Aspekte. Die Einstellung stimmte, so tendierte man in manchen Situationen eher zur Übermotivation anstatt zur mangelnden Einsatz. Die Abwehrleistung macht definitiv Hoffnung auf mehr. Auch wurde als Kollektiv gearbeitet. Dass sich 11 von 12 Feldspielern in die Torschützenlisten eintragen konnte zeigt die Ausgeglichenheit und Geschlossenheit innerhalb des Kaders. Einen Qualitätsverlust konnte man egal bei welcher Konstellation auf der Platte nicht feststellen.

Verbesserung besteht sicherlich in den kommenden Wochen in der Organisation und Strukturierung des Tempospiels sowie in der Abstimmung der Laufwege im Positionsangriff.

Aber ich bleib dabei: es war Geil!

Nächsten Samstag kommt es in Großsachsen zur Wiederauflage des Kreisligaspitzenspiels aus der vergangenen Saison. Zweimal hatte der SVW dabei zuletzt das Nachsehen, das soll sich definitiv ändern. Ich weiß nicht wie Ihr das seht, aber ich bin schon heiß drauf

Euer JH                           

Es spielten : Tim Kremser, Sven Fischer (beide Tor), Joseph Poser (3), Stefan Kayser (2), Moritz Dornseiff (5), Massimo Lombardo (1), Patrick Schäfer (7/6), Thomas Truth (1), Jan-Philipp Hake (1), Milos Zec (2), Thorsten Linder, Maximilian Uhlitzsch (1), Andreas Amend (2/1), Marc Bloch (3), Trainer: Francesco Caria

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Kategorien: Herren 1Spielberichte