Fangen wir daher mal an mit einigen „beeindruckenden“ Statistiken an:

  • Endergebnis: 17:16 (wohlgemerkt nach 60 Minuten im Männerhandball auf „Landesliganiveau“)
  • Die Heimmannschaft erzielt in der gesamten zweiten Hälfte lediglich fünf, im letzten Viertel der Begegnung sogar nur ein Tor, und behält trotzdem die 2 Punkte bei sich
  • Friedrichsfeld verwirft sechs Siebenmeter, geht dennoch als Sieger vom Platz

Resümee: Wir haben es versaut.

Trotz, oder vielleicht gerade wegen der Ausgangslage. Denn während unserer vierwöchigen Matchpause konnten wir auf der Couch feiern, wie unsere Gegner schwächelten. Plötzlich hatten wir wieder die Chance, aus eigener Kraft aufzusteigen.

Dieser Traum endete exakt um 16.55 Uhr und 12 Sekunden am Sonntagnachmittag in der Lilly-Gräber-Halle.

Die Begegnung selbst war ein handballerisches Debakel, bei dem keiner der beiden Kontrahenten den Sieg wirklich verdient hatte. An diesem Tag hätte wohl jede andere Mannschaft ligaunabhängig diese beiden Teams geschlagen, so schlecht war die gezeigte Qualität auf dem Feld.

Bereits in der ersten Halbzeit zeichnete sich ab, dass dies ein zäher Nachmittag für Zuschauer und Akteure werden würde. Der SVW fand in der Defensive zu keinem Moment seine gewohnte Stabilität. Dabei ging den Buwen vor Allem, die für eine offensive Deckung notwendige Ordnung und Aggressivität, völlig ab. Friedrichsfeld musste sich nicht wirklich viel einfallen lassen, um begleitet von ein bis drei Blauschwarzen zu freien Wurfgelegenheiten zu kommen. Lediglich die eigene Chancenverwertung sowie ein überragend aufgelegter Sven Fischer verhinderten einen höheren Rückstand für die Gäste.

Gleichzeitig waren die Angriffsbemühungen nur in den ersten zehn Minuten eines Tabellendritten der Landesliga würdig. Bis dahin schaffte man es, mittels strukturiertem Positionsspiel und der nötigen Geduld, die Abwehr des Gegners in Bewegung zu bringen und damit Lücken zu reißen. Hier jedoch verpasste es die Mannschaft, sich selbst zu belohnen. Denn konsequent landete gefühlt jeder Ball an einem Körperteil von Torhüter Mario Braun.

Mit jedem weiteren Fehlwurf wich die Souveränität aus den Erfolgen der bisherigen Saison hin zur nackten Angst vorm Verlieren. Sichtlich angeschlagen schleppte man sich mit einem glücklichen 9:12 Rückstand in die Kabine.

Nach der Pause verlor das Spiel, man muss es leider so sagen, jegliches Niveau. Obwohl die Waldhöfer in den ersten sechs Minuten durch Dornseiff und Diederichsen wieder den Anschluss schafften, stellte sich keine Ruhe ein, im Gegenteil. Auch konnte man in der Abwehr halbwegs überzeugen, sodass den Friedrichsfeldern ab der 40ten Minute nur noch zwei Treffer gelingen sollten.

Aber wie gesagt, schon zu diesem Zeitpunkt stand der Gegner nicht mehr auf der Platte, sondern war im eigenen Kopf.

„Ich glaube nicht daran, dass die Angst vor dem Verlieren so stark antreibt, wie die Lust aufs Gewinnen.“(Jürgen Klopp)

Nein, Angst beflügelt nicht, sie lähmt. Nahezu bei jeder 50-50-Situation trafen die Buwen die falsche Entscheidung.

Beispiel: Kontergelegenheiten in 3 gegen 1 Überzahl endeten mit einem unbedrängten Pass ins Seitenaus. Mehrfach.…leider…..

Die Wurfquote pendelte sich jetzt nahe Null ein.

Und irgendwann war das Spiel dann halt vorbei.

Im Rückblick können wir immer noch sehr stolz auf die bisherige Saison sein. Als Aufsteiger werden wir weiterhin um die obersten drei Plätze mitspielen. Und das mit einem der jüngsten Teams der Liga. Und aus solchen Erfahrungen lernt man ja…… geschenkt.

Warum diese Niederlage trotzdem so besonders bitter ist? Weil sie aus so lauter „Hätte“, „Wenn“ und „Aber“ besteht. Bei Wettkämpfen gibt es immer einen Sieger und mindestens einen Verlierer. Gibt’s du als Sportler Alles, dir jedoch jemand Anderes überlegen, kannst du es akzeptieren. Anders verhält es sich, wenn du deine Leistung nicht abrufen kannst, der Gegner also nicht besser, sondern du einfach schlechter warst. Es sind die Niederlagen, die du noch Jahre rauskramst, wenn du über verpasste Chancen sprichst.

Zumindest können wir jetzt Birkenau 2015 endlich vergessen.

Euer Jan

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Kategorien: Herren 1Spielberichte